Zusammenkunft in Auschwitz 2007


15. – 17. Juni 2007

Vertreter aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen und Weissrussland trafen sich vom 15.-17. Juni in Oswiecim. Eingeladen hatten die Abraham-Dienste, unter der Leitung von Werner und Regula Woiwode. Nachdem sie im Jahre 2006 mit ihrem Team für einige Tage in Auschwitz waren, machte Gott ihnen klar, dass dieser Besuch als Vorbereitung dienen sollte für ein weiteres Treffen im grösseren Rahmen. Dabei sollte es um die „Kollektivschuld“ der drei deutschsprachigen Länder in Bezug auf den Holocaust gehen. Vor allem in den letzten Jahren kamen immer wieder verschiedene Gruppen aus diesen Nationen nach Auschwitz um zu beten und auch um Vergebung zu bitten. Aber dieses mal ging es darum, Vertreter aller drei Länder zusammenzubringen, dazu noch Polnische Geschwister und vor allem Messianische Juden. Wenn wir von „Kollektivschuld“ sprechen meinen wir damit:

Dass Hitler in Oesterreich geboren und aufgewachsen ist und dort viel Unterstützung fand.
Dass Deutschland zum willigen Werkzeug seines Wahnsinns wurde.
Dass die Schweiz die Grenzen schloss und die Banktresore auftat um die gestohlenen jüdischen Vermögen für die Nazis zu verwalten.

So trafen sich ca. 80 Geschwister in der Pfingstgemeinde von Josef und Regina Hydzig, deren Räumlichkeiten mitten in Oswiecim liegen. Regina selber ist Jüdin. Die eigentliche Zusammenkunft begann am Freitag um 14:00 Uhr. Wir hatten im Vorfeld versucht einen Termin beim Bürgermeister zu bekommen. Sein Büro hatte sich aber nicht mehr gemeldet und so gingen wir davon aus, dass es zu keinem Treffen kommen würde. Freitagvormittag ging Regina allerdings noch einmal zum Büro des Stadtpräsidenten und brachte es fertig, dass wir einen Termin bekamen. So sass eine Delegation aus jeweils zwei Vertretern unserer Länder um 15:00 Uhr beim Bürgermeister. Die erste Überraschung: Er sprach perfektes Deutsch. So erfuhren wir, dass der Name Auschwitz lediglich für die Lager gilt. Die Stadt selber heisst Oswiecim. Vor dem zweiten Weltkrieg hiess der Ort Oswiecim-Jerusalem und hatte einen jüdischen Bevölkerungsanteil von 58%! Er berichtete uns auch, wie er als Parteiloser ohne Werbung und völlig unbekannt gegen den Rivalen der kommunistischen Partei als Sieger hervorgegangen ist. Und nach einer vierjährigen Amtsperiode, trotz Diffamierung, auch für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde. Wir sagten ihm, dass er ganz offensichtlich Gottes „Wahl“ für diese Zeit und diesen Ort ist. Dann erklärten wir ihm den Grund unserer Zusammenkunft und auch warum wir ihn selber treffen wollten. Bereits vor dem Treffen hatten wir den Vers 12 aus Hosea 10 für ihn aufs Herz bekommen.
„Pflanzt Gerechtigkeit, dann sollt ihr dementsprechend auch gute Früchte ernten. Erschliesst euch neuen Ackerboden, denn jetzt ist die Zeit da, den Herrn zu suchen, damit er komme und euch mit Gerechtigkeit überschütten wird.“
Um dies ein Stück weit zu versinnbildlichen, überreichten wir ihm ein kleines Bäumchen. Der Bürgermeister selber machte dann den Vorschlag, gemeinsam „Stern auf den ich schaue“ zu singen. Wir beteten und segneten ihn und er tat das gleiche für uns. Es war eine überaus eindrückliche und wie ich glaube, göttlich herbeigeführte Zeit der Gemeinschaft zwischen uns. Ein interessantes Detail ist, dass die Stadt Oswiecim in der Woiwodschaft Kleinpolen liegt. Die früheren Bürgermeister bzw. Stadtpräsidenten waren die Woiwodes. Es war ein Titel. Und die Menschen, die Gott sich ausgesucht hatte um diese Zusammenkunft zustande zu bringen, heissen Werner und Regula Woiwode!! Ist das nicht erstaunlich?
Als Leitplanken für dieses Wochenende hatten wir den Psalm 24 bekommen. Da geht es zunächst einmal um die Gewissheit und Klarstellung, wer der Herr dieser Welt ist und das auch ich selber IHM gehöre. Es schien uns wichtig und unumgänglich, dass wir uns ganz bewusst auf unseren Gott auszurichten hatten. Wir kamen aus verschiedenen Ländern, ganz unterschiedlichen Kirchen und Gemeinden, hatten nicht dieselben Erfahrungen und vor allem hatte jeder seine eigenen Erwartungen mitgebracht über die Art und Weise, wie es gehen sollte. Es war notwendig, sich Zeit zu nehmen, um auf Gott zu schauen, still zu werden und alles loszulassen, um dann von einem gemeinsamen Punkt aus starten zu können.
Die nächsten Verse von Psalm 24 sprachen von reinen Herzen und Händen. So ging es um die Beziehungen der vertretenen Länder untereinander. Wir nahmen uns Zeit und liessen den Heiligen Geist wirken. Er zeigte auf, überführte und brachte zurecht. Wir konnten für verkehrte Haltungen Busse tun, indem wir es aussprachen und um Vergebung baten. Es war eine Zeit der Reinigung. So „entlastet“ und befreit konnten wir getrost dem Samstag entgegen sehen.


Wir fuhren ins Lager Auschwitz-Birkenau. Nachdem jeder für sich alleine einige Zeit verbracht hatte, trafen wir uns auf dem „Aschefeld“. Früher gab es dort einen See. Die Nazis haben ihn mit der Asche der vergasten und verbrannten Juden aufgefüllt. Kein Wasser mehr, sondern nur noch die Asche von Hunderttausenden von Toten.
Nachdem wir unsere Landesfahnen auf den Boden gelegt hatten wurden sie mit einem schwarzen Tuch verhüllt. Es sollte die „Decke des Schweigens“, die immer noch über unseren Ländern liegt (in Bezug auf den Holocaust) darstellen und symbolisieren. Wir baten die Messianischen Geschwister in die Mitte und wir anderen bildeten einen Ring um sie. Dann wandten wir uns von ihnen ab und drehten ihnen unsere Rücken zu. Dabei schlossen wir unsere Augen, pressten die Lippen aufeinander und hielten unsere Ohren zu. Dieses „Szenario“ sollte noch einmal unsere damalige Haltung wiederspiegeln, als man die Juden ausgrenzte, diffamierte, enteignete, verfolgte, grausam folterte, gnadenlos und bestialisch ermordete. Entweder machten wir willig mit, bis auf wenige Ausnahmen, oder wir sahen, hörten und sagten nichts zu all den Ungeheuerlichkeiten. Das Unbegreifliche ist, dass sich die Geschichte zu wiederholen scheint und die Juden- oder Israelfeindlichkeit in unseren Ländern (und Europa) stärker ist als in den 30er Jahren.
Während wir in dieser Haltung einige Minuten verharrten, konnte sich niemand der Teilnehmer des plötzlich aufkommenden Schmerzes erwehren. Alle waren bis ins Innerste erschüttert. Unsere jüdischen Geschwister fühlten (noch einmal) etwas von dem Allein- gelassen-sein; von Einsamkeit und Verlorenheit. Wir im äusseren Ring fühlten einerseits etwas von ihrem Schmerz, aber andererseits auch eine tiefe Scham über unsere Haltung. Es zerbrach noch einmal etwas in uns. Und auch ein Schrei zu Gott: „Erbarm Dich über uns, vergib uns und hilf uns, nie wieder zu schweigen, wegzuschauen und nichts hören zu wollen.“ Es folgte eine Zeit der Busse, des gemeinsamen Weinens, des um Vergebung bitten und sich in den Armen liegen. Bevor wir miteinander das Abendmahl teilten, kam es zu einer ganz wichtigen Gebetszeit für die Familien unserer drei Länder. Dort in Auschwitz-Birkenau wurden Familien getrennt: Männer/ Frauen/ Kinder. Sie wurden auseinandergerissen. Wir glauben, dass dadurch ein Fluch über die Familien unserer Länder gekommen ist. Aus Tätern wurden Opfer. Wenn man sich die Entwicklungen der Familien seit dem zweiten Weltkrieg ansieht, kann man zu keinem anderen Schluss kommen. Wir brachen den Fluch über den Familien und beteten um Heilung und Wiederherstellung durch die Kraft des Blutes Jesu. Zum Schluss wurde die dunkle Decke (schwarzes Tuch) die auf unseren Fahnen lag, von den Messianischen Juden weggehoben.
Der Boden von Auschwitz-Birkenau war Jahrzehntelang tot. Schwarze, verbrannte Erde, wo nichts wuchs, kein Leben zu sehen und zu hören war. Seit dort immer wieder gebetet wird, Versöhnung stattfindet, durch Christen aus aller Welt (vor allem auch aus den drei deutschsprachigen Ländern) ist wieder Leben zurückgekehrt. Es wachsen Bäume, Blumen, Gras und man hört wieder Vögel singen und sieht allerlei Getier. Aus den Trümmern erwächst neues Leben. Schönheit statt Asche!
Am Nachmittag machte Gott uns klar, dass ER nicht nur im Lager Auschwitz wirkt und handelt, sondern dass seine tiefe Liebe ebenso der Stadt Oswiecim und seinen Bewohnern gilt. So teilten wir uns in kleine Gruppen auf und „durchzogen“ betend und segnend die Stadt. Zwei Gruppen konnten sogar in die Synagoge, um dort Fürbitte zu tun und Gott anzubeten. Am Abend trafen sich alle wieder in den Gemeinderäumen, wo es unter uns noch einmal zu einer sehr speziellen Begegnung kam. Nach dem Vorbild Jesu im Johannesevangelium, wo er seinen Jüngern die Füsse wäscht (Kapitel 13), wollten wir ebenfalls unseren Jüdischen Geschwistern die Füsse waschen. Das löste noch einmal ganz starke Emotionen aus. Für die meisten war es wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass ihnen die Füsse gewaschen wurden. Wir wollten damit zum Ausdruck bringen: „Wir lieben und achten Euch. Ihr seid uns wichtig und wertvoll. Wir sind bereit Euch zu helfen und zu dienen, wo dies möglich ist.“ Die gleiche „Behandlung“ liessen wir danach auch unseren polnischen Geschwistern zukommen. Zum Schluss gaben wir die Waschbecken frei und jeder der wollte, durfte jemandem die Füsse waschen. Dies alles geschah in einer Atmosphäre der Liebe und Anbetung. Wir sind sicher: In und durch dies alles wurde Gott verherrlicht!
Es ist die Zeit der „Durchbrüche.“ Die Zeit, wo alte, eherne Riegel und Tore aufgehen und der Herr, der König der Könige einziehen kann! Wo neues Leben entsteht aus den Trümmern von Leid, Verachtung und Schmerz. „Denn gekommen ist die vorherbestimmte Zeit“! (Ps. 102,14)
So wie Gott zu Israel sprach, dass ER es aus den Nationen sammeln und seinen Geist in sie geben würde, in dieser vorherbestimmten Zeit, so spricht ER heute zu seiner weltweiten Gemeinde: „Ich tu das nicht um euretwillen, sondern um meines heiligen Namens willen.“
Gott sorgte sich damals und sorgt sich heute um seinen heiligen Namen. Und darum greift er noch einmal in das Geschehen ein. Im Leben einzelner, von Ehepaaren, Familien, Regionen und ganzer Nationen. GEBT UNSEREM GOTT DIE EHRE!

Werner Woiwode

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