Das geistliche Erbe der Schweiz

Wenn wir vom geistlichen Erbe der Schweiz hören, kommen uns meist der Rütlischwur, unsere Landesfahne, Landeshymne und die Bundesverfassung in den Sinn. Doch es gibt auch Orte, Personen und Geschehnisse, die das geistliche Erbe erst ermöglichten bzw. sehr stark prägten. Während einer Gebetsreise waren wir vor kurzem an drei solcher Orte.
Diese Gebetstour, die von Dave Olson initiiert wurde, führte uns an drei Orte, die für die Verbreitung des Evangeliums in der Schweiz, sehr bedeutsam waren und es bis heute noch sind. Gott ist weltweit dabei, zugeschüttete und vergessene „Brunnen“ oder „Segensquellen“ wieder frei zu legen, um sie einmal mehr zum Segen werden zu lassen. Das sind Plätze oder Orte wo z.B. mehrere Hundert Jahre lang ununterbrochen gebetet wurde, wie in Herrenhut oder Bangor (Irland). Jahrhunderte lang sind diese „Brunnen“ aus dem Blickfeld der Christen verschwunden gewesen. Sie waren geistlich wie „ausgetrocknet“. Orte wo etwas geschehen ist, durch das Gott verherrlicht wurde und sein Reich sich ausbreiten konnte. Unsere Stationen waren: St. Maurice, Beatus Höhlen, Flüeli Ranft.

St. Maurice im Wallis:

Im 3. Jahrhundert wurde vom damaligen römischen Kaiser eine Thebäische Legion (Soldaten aus Aegypten) in die Region der heutigen Schweiz verlegt. Sie sollten hier einerseits Aufständische beruhigen und andererseits auch Christen verfolgen und umbringen. Diese Thebäer waren selber koptische Christen und weigerten sich sowohl andere (römische) Götter anzubeten als auch Christen zu verfolgen und umzubringen. Der Hauptmann dieser Legion hiess Maurice. Die Römer begannen damit jeden 10. Soldaten dieser Legion zu foltern und umzubringen, um die anderen einzuschüchtern und umzustimmen. Sie weigerten sich und so wurde letztendlich die ganze Legion (6600 Mann) gefoltert und umgebracht. Durch diese Märtyrer kam es zur ersten grossen Evangelisationswelle in dieser Region und weit darüber hinaus. Durch ihre Hingabe wurde eine Türe für das Evangelium in unserem Land aufgestossen. Sie waren dem Kaiser absolut treu und loyal ergeben aber schlussendlich mussten sie Gott mehr gehorchen als den Menschen! Sie hatten die Gesinnung Jesu, Löwe und Lamm in einem.

Beatus Höhlen am Thuner See:

Im 6. Jahrhundert kam Beatus, der wohl aus Irland stammte in die Region des Thuner Sees. Er war ein Nachfolger Jesu und zog umher um den Menschen das Evangelium zu predigen. In dieser Region allerdings war das sehr schwierig, weil die Menschen eher verschlossen waren. Grund dafür war die grosse Angst vor einem Drachen der in den Höhlen hauste und die ganze Gegend in Angst und Schrecken versetzte. Als Beatus das hörte machte er sich auf um gegen den Drachen zu Kämpfen. Als er ihn gefunden hatte, trat er ihm mutig und furchtlos entgegen und zwar nur mit einem Stecken und dem Namen Jesu. Der Drache „schoss“ bei der Erwähnung des Namens Jesu in die Höhe und landete im See, wo er ertrank. Beatus lebte nun in dieser Höhle und verbreitete das Evangelium. Es kam zu einer zweiten Evangelisationswelle über die ganze Region. Diese Geschichte erinnert an den Kampf zwischen David und dem Riesen Goliath. David kam ebenfalls mit nichts anderem als der Gewissheit, im Namen des Herrn zu „streiten“. Aber das genügte vollkommen für den Sieg!

Bruder Klaus, Flüeli Ranft:

Nicolaus von Flüe, kurz Bruder Klaus genannt, ist eine Person die durch sein Leben ein Stück weit die Berufung der Schweizer Christen widerspiegelt. Getrieben durch seine tiefe Sehnsucht nach der Beziehung mit Gott, lebte er die letzten 20 Jahre seines Lebens als Eremit in der Flüeli Ranft. Er lebte in einem Raum, ohne jegliches Mobiliar. Schlief auf dem Boden und ass und trank nichts während dieser 20 Jahre bis zu seinem Tod. Er nahm aber täglich das Abendmahl zu sich. Erstaunlich ist auch, dass Bruder Klaus Analphabet war. Er konnte weder lesen noch schreiben. Im Grunde hatte er nichts anderes als „nur“ Gott. Wir haben heute, zumindest zum Teil, eine Unmenge an Hilfsmitteln, Strategien, schönen Begegnungszentren, aber Gott fehlt. Bruder Klaus wirkte wie ein Magnet. Menschen von nah und fern kamen zu ihm um Rat und Ermutigung zu holen. Was war das Geheimnis dieses Mannes? Seine tiefe Gemeinschaft mit Gott und sein daraus resultierendes Gebetsleben. Bruder Klaus hatte ein geistliches „Wächteramt“ inne, welches sich in alle Gesellschaftsbereiche hinein auswirkte.

Was haben die Personen und Geschehnisse an diesen drei Orten uns heute noch zu sagen? Gott sucht heute, wie damals, Menschen die bereit sind in ihrem Beruf das Beste zu geben. Die aber auch wissen, dass sie Gott letztendlich mehr gehorchen müssen, wenn es darauf ankommt. Auch wenn es sie vielleicht die Stellung kostet. Es geht um Hingabe, zuerst an Gott aber dann natürlich auch an Menschen.
Es geht darum, dass Evangelium wieder hinaus zu den Menschen zu bringen. „Die Schweiz bewegt sich“, ist ein Werbeslogan im Zusammenhang mit der Fussball Euro 08 in unserem Land. Die Kirche (Gemeinde) muss sich wieder bewegen, raus aus den schönen Gotteshäusern, raus auf die Strasse, wo die Menschen sind. Wir müssen uns trauen den Riesen, in Gestalt von Menschenfurcht, die uns schweigen lassen, mutig entgegen zu treten, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Und wir müssen durch den Dschungel all unserer Ablenkungsmöglichkeiten hindurch wieder bei Gott zur Ruhe kommen. Eine tiefe Sehnsucht nach Gemeinschaft mit ihm erbitten. Nicht so sehr einiges über ihn wissen, sondern ihn selber kennen lernen. Aus dieser Gemeinschaft heraus hören, beten, sehen und handeln.
Lieber Vater, hilf uns dabei. Wir bitten dies im Namen deines Sohnes Jesus Christus. Amen!
Werner Woiwode

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