Auschwitz-Reise – was sie bei mir bewirkt hat 2009

11. – 14. Juni 09

Reise zum KZ Auschwitz, Polen

Lange Jahre hatte ich gegenüber Israel und den Juden eine gleichgültige Haltung; das Thema hatte mich nicht interessiert. Seid einigen Jahren hat sich das geändert. Ich begann mich mit der Entstehung des neuen Israels auseinanderzusetzen. Auch rückte mir die Bedeutung der Juden als Gottes Volk für uns Heidenchristen immer stärker in den Mittelpunkt. Als dann Werner Woiwode dieses Jahr wieder zu einer Reise nach Auschwitz einlud, hatte ich den Eindruck, dass diese Reise für mich dran ist. Ich hatte keine speziellen Erwartungen. Ich wollte mich einfach von diesem Teil Geschichte von Gottes Volk vor Ort berühren lassen.

Der erste Tag des Besuches galt dem Lager Auschwitz I, dem eigentlichen Museum. Hier wird mit historischen Dokumenten und Bildern das unvorstellbare Geschehen dokumentiert. Trotz der vielen Menschen, die sich durch diese Anlage wälzten, fand ich immer wieder in Jesus Christus Ruhe, um mich vom dokumentierten Geschehen berühren zu lassen. Voll von diesen Eindrücken besuchten wir dann am zweiten Tag das Lager Auschwitz II in Birkenau. Hier erst nahm für mich das grauenvolle Wirken der SS-Nazi richtig Gestalt an. Die unvorstellbare Dimension dieses Lagers vom zentralen Wachtturm aus gesehen, liess mich verstummen. Bei meinem Gang über die mehrere hundert Meter lange Rampe, auf der die Häftlinge den Zügen entstiegen, versuchte ich zu erahnen, was die Menschen traf, als sie hier ausstiegen. Ein Weg führte von der Rampe weg entlang der unter Strom stehenden Einzäunung direkt in die Gaskammern. Diesen Weg mussten Frauen und Kinder gehen, direkt ab der Rampe in den Tod. Auch diesen Weg ging ich ein Stück weit – allein mit Jesus und doch in Mitten dieser Frauen und Kinder, die wie das Lamm zur Schlachtbank geführt wurden. In allem kam immer wieder die Frage, ist das wirklich menschenmöglich was hier geschah. Mein Herz schrie hilflos zum himmlischen Vater.

Für die beiden Tage wurde nur ein begrenztes Programm angeboten; die meiste Zeit waren „wir uns selbst überlassen“. Noch vor der Reise hierher konnte ich mir dies nicht vorstellen – doch an beiden Tagen hätte ich gerne noch mehr Zeit gehabt, in der Stille zusammen mit Jesus das auszuhalten, was hier geschehen war.

Wenn ich auch keine speziellen Erwartungen an diese zwei Tage hatte, wusste ich doch, dass Gott etwas in mir bewegen, freisetzen wollte. Denn Gott gab mir im Vorfeld ein Bild von einem Gaskocher, dessen Flammendüse mit einer Schutzkappe abgedeckt war. Ich sah, wie diese Schutzkappe entfernt wurde. Doch was das sein würde, hatte ich keine Ahnung. Heute weiss ich es und darf es ganz direkt erleben. Er hat in diesen Tagen mein Herz für Menschen geöffnet. Worum ich seit Jahren immer wieder gebetet hatte, das hat er mir in diesen Tagen geschenkt. Er hat vorab in meinem Gebetsleben die mir anvertrauten Menschen in den Mittelpunkt gerückt. Er hat das Schwergewicht weg von der Sache hin zu den Menschen verschoben. Ich darf heute mit einer Freude und Liebe für Menschen einstehen, wie ich das bisher nicht gekannt habe. Ich nehme heute auch mal das Telefon in die Hand, um mich nach ihnen zu erkundigen, etwas, das ich bisher nur im Ausnahmefall tat. Ja, ich freue mich riesig, was mein himmlischer Vater in meinem Herzen bewirkt hat. Und ich glaube, dass er noch mehr in diese Richtung tun wird, und ich will mit IHM dran bleiben. Wie froh bin ich, mich auf das Ungewisse eingelassen zu haben, Gott sei Dank!
Ein Teilnehmer

 

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