Gebet für Europa in Riga (Lettland)

12. – 15. April 2015

„Vorwärtsgehen in Verantwortung zu dem Trompeten Ruf“

Seit einigen Jahren gehöre ich zu einem Kreis von Leitern aus verschiedenen europäischen Ländern, die für diese Gebetstreffen verantwortlich sind. Wir treffen uns jeweils in der Hauptstadt des Landes, welches den EU Ratsvorsitz für sechs Monate innehat. In diesem Jahr ist das eben Lettland und im zweiten Halbjahr Luxemburg. Obwohl wir uns immer nur in den Städten/Ländern treffen, die zur EU gehören, haben unsere Gebete natürlich alle Nationen Europas im Visier, also unseren ganzen Kontinent und dessen Probleme. So bin ich auch der einzige im Team, der durch die Trompeten Initiative in jedem einzelnen der 50 Länder Europas gewesen ist. Zur Erinnerung: Es war im 2012 als wir in Riga über den christlichen Radiosender die Botschaft weitergeben und die Trompeten blasen konnten. Vorausgegangen war am Vorabend ein Treffen mit zehn Geistlichen „Schlüssel“-Leitern des Landes. Solch ein sehr kurzfristig einberufenes Treffen war einzig und alleine in Lettland möglich. Ansonsten in keinem der anderen 49 Nationen. Was sagt uns das? Zum einen, dass Lettland u. a. eine ganz starke Berufung zur Einheit hat und hierin eine Vorreiter Rolle in und für Europa innehat. Es ist so besonders (leider, denn es sollte normal sein) wenn Leiter solchen Kalibers (Bischöfe, Nationale Vorstands- bzw. Verbandsleiter) sich kurzfristig einladen lassen, die Botschaft anhören, die ich brachte, total überzeugt sind, dass das von Gott ist und dementsprechend Verantwortung übernahmen, damit die Botschaft von so vielen wie irgend möglich gehört werden konnte. Zum anderen ist es deshalb nicht verwunderlich, dass der Feind alles daran setzt, diese Einheit zu zerstören bzw. gar nicht erst zustande kommen zu lassen. Es ist ein tiefes Misstrauen im Volk vorhanden, auch der EU gegenüber, weil man immer wieder im Stich gelassen wurde und von verschiedenen anderen Nationen eigentlich immer unterdrückt bzw. besetzt war (von Deutschen, Schweden, Polen und natürlich Russen). So waren unser Besuch und unsere gemeinsamen Gebetszeiten eine enorme Ermutigung für unsere lettischen Geschwister.

Ein Höhepunkt ist jeweils der Gebetseinsatz in Gruppen an verschiedenen Orten der Stadt. Dieses Mal betete je eine Gruppe im Parlament; in, um und für die Kirchen; für die Universität und Schulen wurde ebenfalls gebetet. Und das ehemalige jüdische Getto war ein anderer Ort. Am Abend vorher wurden wir alle für diesen Einsatz vorbereitet, indem wir einiges über Lettlands Geschichte bis hin zur heutigen Situation hörten. Hervorstechend ist dabei die schreckliche Geschichte der jüdischen Bevölkerung. Riga wurde das Auschwitz des Nordens genannt. Von einem jüdischen Bevölkerungsanteil von ca. 43‘000 vor 1934 blieben bis 1944 noch 170 am Leben. Und dass es lettische Gruppierungen hatte, die den Nazis bereitwillig und freiwillig beim Morden halfen. Darüber liegt auch hier eine Decke des Schweigens und Verdrängens. Unsere Gruppe kniete in der Ruine einer ehemaligen Synagoge, wo einige Hundert Juden eingesperrt und bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Wir gingen auf derselben Strasse, auf der ca. 30‘000 Juden zu einem Wald geführt wurden (Rumbala, gehört zu Riga) und dort am 30.Nov. und 8.Dez. 1942 erschossen wurden. Am ehemaligen jüdischen Friedhof zitierten wir das Wort Gottes aus Hesekiel 37 von den toten Gebeinen. Ein Mann stand die ganze Zeit in unserer Nähe und hörte unsere Gebete. Es stellte sich heraus, dass er der Direktor der Internationalen christlichen Geschäftsleute Lettlands ist. Er war freudig, dankbar und fassungslos, als er hörte wer wir sind, wo wir herkommen und warum wir in Lettland sind. Wir luden ihn zu dem Abschlussgottesdienst am Abend ein. Und er kam tatsächlich und betete mit uns und wurde natürlich speziell bebetet und gesegnet, genau wie alle lettischen Geschwister, die dabei waren. Wir freuten uns auch über die Gemeinschaft mit einer Schwester, die sowohl im lettischen, wie auch im Europa-Parlament als Abgeordnete arbeitet. Es ist so berührend, zu hören, wie solch eine Zeit die Geschwister im jeweiligen Land ermutigt, beflügelt und stärkt!
WW

 

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