Gottesfurcht ist ein schwindendes Juwel!

Juni 2015

Wenn Gott selber uns in Sprüche 1,7 sagt: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis“, dann tun wir gut daran, uns damit auseinander zu setzen. Ich erlebe bedauerlicherweise genau das Gegenteil: Gottesfurcht ist wenig bis kein Thema mehr in weiten Kreisen der Gemeinde. Aber wenn wir IHN kennen sollen/müssen (Joh 17,3), weil das Voraussetzung ist für unser ewiges Leben und wir dieser Erkenntnis seiner selbst nachjagen sollen (Phil 3,12), dann brauchen wir ganz dringend diesen Anfang. In den meisten Bibelübersetzungen, die sich an Luther ausrichten, steht im NT statt Gottesfurcht oftmals Gottseligkeit. Dieses z.B. im 1.Thimoteusbrief mehrfach angewendete Wort  bedeutet wörtlich (ei-sebeia) nämlich so viel wie „rechte Verehrung“, „rechte Ehrfurcht“. In ihm steckt das Tätigkeitswort „sebomei“, das übersetzt werden kann mit: vor etwas in Scheu zurücktreten, etwas verehren, ehrfürchtig leben.

Die biblische Gottesfurcht hat zwei einander ergänzende Seiten:

-Sie ist zum einen eine Herzenshaltung. Die Ehrfurcht vor dem allmächtigen, heiligen und majestätischen Gott, entspringt der Erkenntnis  dessen, wer ER ist (Jes 40,12-31). Das sehen wir auch ganz klar in den Worten aus Hebr 12,28-29:

„Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns die Gnade festhalten, durch die wir Gott auf wohlgefällige Weise dienen können, mit Scheu und Ehrfurcht! Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“

-Zum anderen ist Gottesfurcht eine Lebensweise und hat deshalb auch immer ganz praktische Auswirkungen. Wir sind dazu berufen gottesfürchtig und heilig zu leben, also Gott gegenüber gehorsam zu sein; egal, wo ich bin, egal, was ich mache, egal, ob mich andere sehen oder ich alleine bin. Ein völlig transparentes Leben. Nicht eines für die Gemeinde und ein heimliches. Dazu Titus 2,11-12:

„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben, in dem jetzigen Zeitlauf…..“

Mit der Gnade Gottes, die erschienen ist, ist natürlich Jesus Christus gemeint. Deshalb ist das Geheimnis wahrer Gottesfurcht eine Person: Christus in uns! (Kol 1,27). Bedeutet Neugeburt aus dem Geist. Keine übertünchte Fassade, sondern innere Erneuerung.

Christus war die Verkörperung wahrer Gottesfurcht in seinem irdischen Leben. Auf ihm ruhte der Geist der Furcht des Herrn, wie uns Jes 11,2 offenbart. Er suchte in allem die Ehre Gottes, den Willen Gottes, die Heiligung seines Namens. Er war seinem Gott und Vater völlig ergeben und gehorsam. Er ist das vollkommene Vorbild echter Gottesfurcht und Sohnschaft. Kein entweder oder. Beides ist erstrebenswert und notwendig.

Damit das klar ist: „…..nicht, dass ich es schon ergriffen (oder begriffen) hätte.“ Nein, diesen Anschein möchte ich nicht erwecken, aber ich darf sagen, dass ich zutiefst in meinem Sein weiß, dass ich Sohn bin, an dem mein himmlischer Vater Wohlgefallen hat. Das hat nichts mit Perfektion zu tun, sondern mit Annahme, Vertrautheit und Glauben. In diese Art Vaterbeziehung möchte Gott mit uns hineinkommen- und ich gehe davon aus, dass dies auch unsere tiefste Sehnsucht ist. Damit können wir uns sehr gut identifizieren: mit Jesus als dem perfekten Vorbild. Warum ist die Gottesfurcht auf der Strecke geblieben? Warum ist sie so wenig anziehend, begehrenswert für uns und stößt uns eher ab?

In 2.Tim 3,1-5 wird uns ein Bild der Menschen vor Augen gemalt, wie sie uns heute überall begegnen, eben auch in der Gemeinde. Wir sind zu selbstverliebt in unser Fleisch. Das wollen wir befriedigen, sättigen, streicheln, ihm geben, wonach es schreit. Dabei sollen wir uns doch verleugnen, sollen/müssen sogar sterben, damit wir sein Leben gewinnen (Mt 16,24)! Ohne die Furcht des Herrn sind wir nicht nur Gefangene unserer selbst, sondern möglicherweise sogar verloren (Joh 12,24-25)!

Wir alle sind begeistert von der Apostelgeschichte. Wir sehnen uns danach, auch solche Erlebnisse mit Engeln zu haben wie Petrus, oder Heilungen zu vollbringen, die uns ja auch verheißen sind. Oder plötzlich versetzt zu werden, von einem Ort zu einem ganz anderen, wie Phillipus. Sogar durch die Schweißtücher oder den Schatten des Petrus, der auf Menschen fiel,  wurden Kranke geheilt. Ungeheuerlich, was da abging. Ja klar, ich will auch, ich auch….

Gottes herrliche, majestätische, kraftvolle und heilige Gegenwart war so stark, dass dies alles geschehen konnte. Wo Gott sich so lagert und manifestiert, da ist nicht mal eben „Daddy-cool“ angesagt, sondern heiliger Boden, Luft und Atmosphäre! Da muss sich jede Sünde und somit auch jeder Sünder offenbaren. Dem hält nichts stand. Das war bei Jesaja so, dem Propheten des Herrn (Jes 6,5) und das war bei Hananias und Saphira so (Ap 5,1-11). „Und es kam große Gottesfurcht über die ganze Gemeinde und über alle, die dies hörten.“ (Vers 11). Wenn Gottes Gegenwart in der Art und Weise, wie in der Apostelgeschichte zu lesen ist, heute zu uns käme, dann müssten evt. 2/3 der Gottesdienstbesucher tot umfallen. Wir hätten nicht mehr genug Leute, um sie heraus zu tragen. Ist das eine übertriebene Behauptung? Unwahr? Destruktiv? Entmutigend? Wahr?

Hört sich gar nicht mal gut an. Es ist auch nicht gut. Und es wäre unverantwortlich, wenn wir es totschweigen würden. Erinnert Euch daran, dass Gott sagt: „Meine Gemeinde ist in einer Notsituation.“ Deshalb ertönt überall in der Welt sein Weckruf. Er lässt die Trompeten blasen. Er lässt brüllen wie ein Löwe. Er erweckt den Eifer und einen Sieges-, Überwinder-, und Geburtsschrei in seiner Gemeinde. Eine Herausforderung? Ja, sicher, hoffentlich auch. Noch ist Zeit aufzuwachen und umzukehren! Gott zu suchen, Ihn zu erkennen. Wir berichten in dieser Ausgabe von Begegnungen mit solchen Söhnen und Töchtern. Ein Überrest davon hat Gott in jeder Nation der Erde. Aber ER möchte noch viele hinzutun. Die Gottesfurcht ist vielleicht, wie schon erwähnt, ein Anfang dazu. Es gibt nichts Besseres, Schöneres, Erfüllenderes und Beglückenderes, als ein gottesfürchtiger Sohn (Tochter) zu sein.

W.W.

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