Pastorenkonferenz in Burundi

Nach einer langen, aber völlig unproblematischen Reise sind wir am Donnerstag, 23.08.18 in Burundi eingetroffen.  Zwei Pastoren hiessen uns herzlich willkommen und begleiteten uns in einem „christlichen“ Taxi mit Lobpreismusik und Duft nach unverbranntem Benzin ins Hotel, vorbei an Reisfeldern und der burundischen Bierbrauerei. Meine ersten Eindrücke: Viele Menschen auf den fruchtbaren Feldern, viel Handarbeit, viele Fahrräder mit Fahrgästen auf dem Gepäckträger, wenig Verkehrsregeln, rote Erde.

Unser Hotel hatte einen recht hohen Standard und sogar einen Pool im Innenhof, das Personal war sehr freundlich, hilfsbereit und offen. Ein Cappuccino aus burundischem Kaffee ist sehr aromatisch, und das Essen – besonders das Frühstücksbuffet und die frischen Früchte – delikat.

Freitag war der erste Konferenztag. In der sehr einfachen Kirche von Pastor Lubunga empfing uns die Jugendband mit Lobpreis, in fast unerträglicher Lautstärke, aber von Herzen. Nach und nach trafen die Pastoren und Pastorinnen aus der Region ein; eine Stunde nach offiziellem Beginn zählten wir ca. 80 – 90 Geschwister.

Werner begann die Konferenz mit dem prophetischen blasen des Schofars – wie an den folgenden Tagen auch jede Predigt in den Gemeinden, die danach jeweils ein lautes Siegesgeschrei anstimmten: Gott will etwas Neues zum Leben erwecken in Burundi! Die anfänglich noch etwas zurückhaltende Atmosphäre wich danach bald einer lebendigen Offenheit für die Lehre zum Thema „Leiterschaft am Beispiel Jesu“. Der Übersetzer, Pastor Desiré, war ein Geschenk Gottes! Er ging voll mit der sehr lebendigen Art von Werners Vortragsstil mit, was den afrikanischen Geschwistern offenbar sehr entsprach und sowohl für Heiterkeit sorgte als auch Betroffenheit auslöste. Im Rahmen des Themas, dass unser Leben generell aus der persönlichen Beziehung zu unserem himmlischen Vater und seinem Sohn kommen sollte, konnte Werner auch das Thema Israel und unsere Beziehung zum jüdischen Volk ansprechen. Was unserem Vater am Herzen liegt, soll ja auch unsere Herzen bewegen und leiten.

Am Sonntag sollten Werner und ich dann parallel in je einer Gemeinde predigen. Das kam total unerwartet für mich, ich sah meine Aufgabe mehr darin, die Anlässe im Hintergrund betend zu begleiten und Werner den Rücken zu stärken. So nahm ich es als eine Gelegenheit, mich im Vertrauen auf die Leitung des Vaters zu üben, mich in die völlige Abhängigkeit von Ihm zu begeben, und auch Flexibilität zu lernen. Gott schaffte das souverän. Seine Hilfe und der ganze Gottesdienst mit den traditionellen Gesängen und Tänzen waren ein echtes Erlebnis.

Montag und Dienstag sollten wir dann Gelegenheit haben, Land und Leute besser kennenzulernen. Unser Tagesziel am Montag war der Besuch der südlichsten Quelle des Nils. Mit einem alten, 8-plätzigen Toyota Geländewagen machten wir uns zusammen mit dem ganzen Organisationsteam auf den Weg, zunächst südlich entlang dem Tanganijka-See und dann hinauf in die Berge (bis ca. 2000 M. ü. M.). Nach einigen Zwischenstationen und langer Fahrt durch schöne Landschaften und ursprüngliche Wildnis erreichten wir unser Tagesziel leider erst bei fortgeschrittener Dämmerung. Die äusserst schlechte Piste liess uns nur langsam vorankommen. Hermann, ein schwarzer Touristenführer, empfing uns trotzdem, und zeigte uns beim Licht einer Taschenlampe die Quelle (mehr ein Brunnen) und erzählte uns die Geschichte seiner Entdeckung. Wir beteten dort, dass der Segen und das Leben Gottes von Burundi aus in die nordöstlichen Länder Afrikas fliessen mögen, wie das Wasser des Nils.

Am Dienstag besuchten wir die Stadt Gitega, welche im Zentrum des Landes liegt. Ein riesiger Baum steht dort, wo man den geografischen Mittelpunkt von Burundi vermutet. Auf dem Weg dorthin querten wir auch den Nil (der hier einen anderen Namen hat), der ca. 80 km nördlich der Quelle schon ein ansehnliches Flüsschen ist. Die Flussaue wird intensiv landwirtschaftlich genutzt, für Kartoffeln und diverses Gemüse. In den Dörfern und Städtchen wird die Ernte dann mit viel ‚Ramba-Zamba‘ an die Leute gebracht: Allerlei Gemüse, Früchte, Maniok-Brot (grosse Kugeln aus gekochtem Maniok-Mehl, eingepackt in Bananenblätter), an den Füssen zusammengebundene Hühner, Ziegenfleisch-Spiesschen… Interessant zu sehen, dass hier die Avocados gegessen werden wie bei uns die Äpfel, so als Zwischendurch-Mahlzeit. – Der Mittwoch war dann ein freier Tag.

Donnerstag bis Sonntag standen dann wieder Einsätze in verschiedenen Gemeinden auf dem Programm. Ich (Christian) bekam nochmals die Gelegenheit, mich flexibel zu zeigen: Am Donnerstag erfuhren wir erst auf der Fahrt zum Einsatzort, dass Werner und ich in unterschiedlichen Gemeinden predigen sollten. Ich schluckte mindestens zwei Mal, aber sofort hatte ich das Bibelwort „predige das Wort … zur Zeit oder Unzeit“ (2. Tim 4,2) vor Augen und sagte meinem Vater, dass ich die Herausforderung annehme. Letztlich predigten Werner und ich beide zum Thema „Heiligkeit Gottes“, ohne dass wir uns abgesprochen hatten.

Der Gottesdienst vom Sonntag in der Gemeinde des „Reiseleiters“ lag uns besonders am Herzen. Aufgrund seiner Lebensgeschichte möchte Emanuel mit seiner Gemeinde vor allem junge Menschen erreichen. Werner und ich hatten den Eindruck, dass Gott besonders die jüngere Generation dazu berufen, ausrüsten und senden möchte, um Versöhnung, Einheit im Leib Jesu und eine neue Gottesfurcht (Heiligkeit) in Burundi zu leben und zu verkündigen. Dies soll auch der Segen sein, der in die umliegenden Länder fliessen soll.

Wir hatten den Eindruck, dass wir in diesem Gottesdienst das bisher gelehrte und gepredigte Wort im Gebet und durch Proklamation ins Leben rufen und so unseren aktuellen Auftrag abschliessen sollen. Immer wieder ging es um die Themen „Heiligkeit Gottes“, hingebende und dienende Liebe, Entschiedenheit und Wahrhaftigkeit in Leiterschaft und Nachfolge. Oder auch um die Bereitschaft und Offenheit, uns vom himmlischen Vater ganz neue Horizonte aufzeigen zu lassen und auf Sein Wort hin völlig neue Wege zu gehen.

Am Ende des Gottesdienstes haben wir allen diesen Themen, mit der Proklamation von Psalm 24, prophetisch „Tür und Tor geöffnet“. Die anwesenden Pastoren und weitere leitende Geschwister stellten sich um die gesamte anwesende Gemeinde – stellvertretend für den Leib Jesu in Burundi – um die Gemeinde für das Wirken Gottes zu segnen und Gottes Gedanken über ihr auszurufen. Abschliessend rief Werner die jungen Gläubigen (bis 25 Jahre) nach vorne, um ihnen speziell den Ruf Gottes zuzusprechen, den Geist der (Selbst-)Beschränkung über ihnen zu brechen und sie für das Neue, das Gott mit ihnen vorhat, freizusetzen. Das waren starke Momente.

Sehr, sehr dankbar blicken wir auf unseren Einsatz in Burundi zurück. In der völligen Abhängigkeit von IHM haben wir diesen Einsatz in Angriff genommen. Der himmlische Vater hat sich einmal mehr als absolut souverän und treu erwiesen, hat Türen geöffnet, Wege aufgezeigt, Menschen im Herzen angesprochen! Dankbar sind wir auch für den Weg, den Werner und ich geführt worden sind. Wir sind zu einem Team zusammengewachsen und lernten uns als Brüder schätzen und lieben. Unserem Vater und Jesus Christus sei die Ehre dafür!

Christian Vogel

 

Einsatz in Burundi

Vom 22.August bis zum 4.Sept. war ich mit einem lieben Bruder (Christian) in diesem ostafrikanischen Land zu Gast. Burundi ist eines der kleinsten und ärmsten Länder Afrikas, umgeben von Uganda, Tansania, DR Kongo und Ruanda. Schreckliche Bekanntheit erlangte dieses Land als es 1994 in Ruanda und Burundi  zu einem furchtbaren Völkermord zwischen Hutus und Tutsis kam. Was bewog uns dazu, ausgerechnet dorthin zu reisen?

Bereits im letzten Jahr führten wir in Ghana und Kenia Leiterkonferenzen durch. Thema war: Jesus als das perfekte Vorbild eines Leiters anzusehen und von ihm zu lernen.

An der letztjährigen Konferenz in Kenia nahm ein junger Pastor aus Burundi teil. Er hatte über Facebook von dieser Konferenz erfahren und wollte unbedingt dabei sein. Er war drei Tage mit dem Bus unterwegs! Dieser Bruder hat alle Predigten mit seinem Handy aufgenommen. Wieder zurück in Burundi hörten einige Pastoren diese Lehre und entschlossen sich, uns einzuladen. Sie waren der Meinung das sollte unbedingt von den Pastoren und Leitern gehört werden. Es hat etliche Pastoren, die gebürtige Kongolesen sind und mit einer Burundierin verheiratet sind. Daher haben einige von ihnen auch noch sehr enge Beziehungen in den Kongo. Sie reisen regelmäßig dorthin, helfen mit Gemeinden zu gründen und zu betreuen. Im Vorfeld hatten wir geplant auch im Kongo solch eine Konferenz durchzu- führen. Nachdem es aber erneut ein Massaker durch umherstreunende Rebellen gegeben hatte, bei dem auch ein Pastor und dessen Familie (Er gehörte zum Vorbereitungs-team für die Konferenz) ermordet wurden, hat man dieses Vorhaben abgesagt.

Unsere Zeit in Burundi war in vielerlei Hinsicht sehr speziell, ermutigend und einzigartig.

  • Da ist zum einen mein wunderbarer Begleiter Christian Vogel. Er war noch nie in Afrika und hatte den Eindruck und Wunsch, mich begleiten zu wollen. Einfach so – um für mich zu beten, Erfahrungen zu sammeln und zu lernen. Wow! Herzlich Willkommen. Normalerweise reise ich mit meiner Frau und/oder jemanden vom Team (oder alleine), aber das hier war eine wunderbare, neue Erfahrung. Christian hat dann auch noch „Neues“ erleben dürfen, als er zum Predigen eingeladen wurde! Und natürlich hat sich unsere Freundschaft vertieft.
  •  Letztes Jahr in Ghana und Kenia war es jeweils ein Pastor, den wir persönlich kannten, der Dreh- und Angelpunkt war. Diese zwei Brüder hatten auch Helfer, aber sie waren die Verantwortlichen bei Vorbereitung, Planung und Durchführung. Hier in Burundi wurde ein richtiges Komitee gebildet, bestehend aus acht Pastoren! ALLE waren bei der Konferenz anwesend und fünf von ihnen fuhren zwei Tage mit uns durchs Land. Und diese fünf waren auch bei allen Gemeinde-Gottesdiensten dabei, an denen wir nach der Konferenz noch predigten. Leider nicht der Normalfall; umso kostbarer es hier zu erleben.
  • Wir hatten zwei Tage eingeplant um etwas vom Land zu sehen. Am ersten Tag fuhren wir zu den Nilquellen. Ja, richtig, der Nil entspringt in Burundi. Bei der Fahrt entlang des Tangajika Sees in Richtung Nilquellen fuhren wir über unglaubliche Strassen…..Es sind eben keine Strassen, sondern es ist einfach der Boden mit ununterbrochenen, ungeheuren Schlaglöchern! Muss man erlebt haben. Total irre, aber auch cool! Als wir dann bei diesen Nilquellen beteten, merkten wir, dass dies etwas total ungewohntes, Neues, für das Komitee war. Sie waren aber ganz begeistert darüber. Den zweiten Tag ging es zum geografischen Mittelpunkt des Landes und dann eher auf nördlicher Route wieder zurück. Wen wundert’s: mit einem anderen Auto, da das erste diese Schüttelpartie nicht heil überstanden hatte. Es war aber trotzdem ein tolles Erlebnis, so durch das Land zu fahren und das Komitee die ganze Zeit dabei zu haben!
  • Mein Übersetzer, auch ein Pastor und Mitglied des Komitees, war besonders liebenswürdig. Seine Art war sehr angenehm und einnehmend. Er übersetzte sehr gut, inklusive Stimmlage, Gesten, Herumlaufen etc. Einfach super! Er hat fünf Tage vor Konferenzbeginn geheiratet. In Burundi ist es fester Brauch, dass ein frisch vermähltes Paar eine Woche lang in der Wohnung, bzw. im Haus bleibt. Er musste diesen Brauch wegen uns und seines Dienstes brechen. Das Brautpaar machte allerdings deswegen keinen „geknickten“ Eindruck. (Und holt diese wunderbare Woche hoffentlich nach!)
  •  Ich bat das Komitee, ob wir zum Ende unseres Besuches noch einmal zusammen kommen könnten. Das war natürlich möglich und wurde mit einem Essen im Hause eines Komiteemitgliedes in die Tat umgesetzt. Ich wollte noch einmal allen danken, bat auch um Rückmeldungen, wie sie selbst alles erlebt hatten. Es kamen erstaunlich persönliche und tiefe Feedbacks von ihnen. Der eine hatte in der Tiefe begriffen, dass er als Leiter sich nicht in erster Linie dienen lassen soll, sondern das er den anderen dienen darf/soll – genau wie Jesus das vorgelebt hat. Einem anderen ist die Wichtigkeit und Dringlichkeit des Gebetes „aufgegangen“. Alle waren sich einig, dass sie solch eine Lehre noch nie gehört hatten, obwohl schon öfter Sprecher aus dem Westen da waren. Es sei keine theoretische Theologie, sondern gelebte Beziehung zum Vater und Jesus durch den Heiligen Geist; so ihre Worte. Durch alle Lehre hindurch, die immer wieder mit praktischen, persönlichen Erlebnissen unterstrichen wurde, ging es darum, in eine tiefere Liebesbeziehung zum Vater und Jesus Christus hinein zu wachsen. Das waren starke Worte, die uns zutiefst dankbar sein ließen und ermutigt haben.
  • Alle, die an der Pastoren- und Leiterkonferenz teilnahmen, konnten sich in eine Liste eintragen. So hatte das Komitee dann ca. 130 Namen und Adressen beisammen. Noch während unseres Aufenthaltes haben sich Teilnehmer der Konferenz beim Komitee gemeldet und den Wunsch geäußert, dass es irgendwie weitergehen sollte. Sie haben sich entschieden, einmal monatlich zum Gebet zusammen zu kommen, um Gott zu suchen und Ihn an zu beten. Und durch die Liste können sie natürlich alle dazu einladen! Wow! Das ist wirklich stark! Danke Herr!

Noch etwas Einzigartiges: Während ich am zweiten Konferenztag predigte, kam in Nairobi (Kenia) ein Junge zur Welt. Der Vater ist Pastor Mialano über den die ersten Kontakte liefen. Er gehört auch zum Komitee. Seine Frau ist Burundierin, er gebürtiger Kongolese. Sie wohnten bis vor kurzem noch in Burundi, aber jetzt in Kenia um dort Gemeinden zu gründen. Wir bliesen an der Konferenz das Schofar und brachen danach jeweils in ein Sieges- und Triumphgeschrei aus. Wir beteten jeweils dafür, dass trennende Mauern nieder brechen werden, wie in Jericho. Ein weiterer Aspekt des Schreies bezog sich auf Jes 42,13-14. Gott sagt dort, dass Er ächzen, stöhnen und schreien will wie eine Gebärende. Es war also auch ein Geburtsschrei, der nach dem Blasen des Schofars erklang. Und dieser kleine Junge kam zur Geburt während ich predigte. Er bekam deshalb den Namen Werner Mialano Woiwode! Ist doch sehr ungewöhnlich, oder? Das ist sein offizieller, eingetragener Name.

Viele Gründe um sehr ermutigt zu sein und wir glauben, dass auch im Geistigen etwas Neues zur Geburt gekommen ist! Alle Ehre unserem Gott. Wir sind gespannt zu hören/lesen wie es in Burundi weitergeht.

W.W.

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