EuoP-Gebetstreffen Rumänien

Bukarest, 7. – 11. April 2019

Nach dem letzten Treffen der „European Union of Prayer“ in Wien war es mir ein grosses Anliegen, jemanden aus Moldawien ans nächste Treffen mitzubringen. So war ich nun sehr glücklich, dass ich in Begleitung von Maxim, einem lieben Bruder aus einer messianischen Gemeinde in Chişinău, nach Bukarest reisen konnte. Bereits in der Hotel-Lobby trafen wir auf bekannte Gesichter, insgesamt haben sich über 50 TeilnehmerInnen aus 15 europäischen Ländern nach Bukarest aufgemacht.

Unser Gebetstreffen fand in einem IBIS-Hotel statt, welches sich gleich gegenüber des rumänischen Parlamentsgebäudes befindet. Dieses Gebäude, vom damaligen sozialistischen Diktator Nicolae Ceaușescu erbaut, soll nach dem Pentagon das zweitgrösste Gebäude der Welt sein. Von unserem Konferenzraum im 1. Stock des Hotels hatten wir stets das Parlament vor Augen, was sehr passend war. Die Türen unseres Versamm­lungsraumes standen jeweils offen, und diejenige des Treppen­hauses auch; unsere Anbetungs­zeiten dürften einen grossen Teil des Hotels beschallt haben. Das Personal war sehr freundlich und zuvor­kommend, und einer der Angestellten hat mir zum Morgenessen mal einen leckeren Cappuccino ausgegeben.

Ursprünglich ist die EUoP für Anliegen der EU ins Leben gerufen worden, bislang trafen sich die Beter zweimal jährlich in demjenigen Land, das jeweils den Vorsitz innehatte. Entsprechend sind viele Themen recht politisch und EU-lastig (aktuell z.B. Brexit), was zumindest für mich als Schweizer etwas ungewohnt ist.  Es grenzt an ein Wunder, dass Geschwister aus so vielen unterschiedlichen Ländern und Kulturen und – zumindest was die EU und z.B. Brexit betrifft – mit diametral entgegengesetzten Ansichten, sich zu gemeinsamem Gebet, Lobpreis und Proklamation treffen. Dies ist wohl nur möglich, wenn wir uns nicht auf dem Boden der EU treffen, sondern auf dem Territorium des Reiches Gottes. Und letztlich mussten wir uns eingestehen, dass wir bei einigen Themen keine klare Lösung erkennen und nicht wirklich wissen, wie wir denn beten können und sollen. Hier kamen wir vor den Himmlischen Vater mit dem Eingeständnis: „Oh Herr, du weisst es!“ (vgl. Hesekiel 37,3)

Der Schwerpunkt des Treffens liegt auf den geistlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen des Gastlandes. Es war deshalb sehr schade, dass die rumänische Schwester, die das Treffen organisiert hatte, aus medizinischen Gründen nicht teilnehmen konnte. Sie wäre die einzige rumänische Teilnehmerin gewesen. So war es dann eine positive Überraschung, dass wir am zweiten Konferenztag neben drei evangelikalen Pastoren auch eine gläubige Parlamentarierin in unserer Mitte begrüssen durften. Letztere hat uns sehr persönlich aus ihrem Leben, von ihren Herausforde­rungen während der Zeit Ceaușescus und aus dem unmittelbaren politischen Umfeld erzählt. Von den Pastoren haben wir viel über die Geschichte des Landes, über wirtschaftliche, soziale und weitere Themen und Entwicklungen des Landes erfahren, was uns eine grosse Hilfe war und ist, im Gebet konkret für die Anliegen des Landes einzustehen.

Die wichtigsten Anliegen sind eine tief verwurzelte Korruption, politische und soziale Gerechtig­keit und die – durch die schlechte wirtschaftliche Situation geförderte – soziale und demo­grafische Entwicklung. So werden zum Beispiel über Nacht und am Parlament vorbei Gesetzesänderungen beschlossen, damit eine Anklage des Staates an einen einflussreichen Millionär wegen Betrugs fallengelassen wird. Das Delikt galt plötzlich nicht mehr als Vergehen. Oder so wurden zum Beispiel im Jahr 2018 zum ersten Mal mehr rumänische Kinder im Ausland geboren als in Rumänien selbst; mittlerweile leben über 4 Millionen Rumänen vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen im Ausland. Wenn ich den Menschen in der Stadt in die Augen schaute, verspürte ich einen grossen Hunger und Durst nach Gerechtigkeit.

Am Mittwoch fanden dann fünf thematische Gebetsmärsche statt (z.B. Regierung und Parlament, Bildungswesen, jüdische Geschichte etc.), an dem auch Geschwister aus verschiedenen Gemeinden teilnahmen. Ich gesellte mich zur Gruppe mit dem Schwer­punkt der lokalen jüdischen Geschichte. Der Tagesabschluss fand dann im Rahmen eines Abend­gottesdienstes mit vielen rumänischen Geschwistern statt, unterstützt von einer starken, jungen Lobpreis-Band. Dieser Abschluss-GD war sehr eindrücklich und von grosser Dank­barkeit und Einheit geprägt. Gemeinsam mit den rumäni­schen Gläubigen haben wir die Herrschaft und den Sieg Jesu über den vielfältigen Problemen und deren Ursachen proklamiert und damit auch die lokalen Geschwister ermutigt und gestärkt. Zum Schluss haben wir Rumänien in der lokalen Sprache jeder vertretenen Nation gesegnet. Ich hatte das Vorrecht, Rumänien den mosaischen Segen auf Berndeutsch zuzusprechen.

Das EuoP-Gebetstreffen war eine gute, starke Zeit. Meines Erachtens wurde an den Meetings insgesamt zu viel geredet und informiert, und eher zu wenig gebetet. Sehr eindrücklich waren vor allem der Gebetsmarsch und der gemeinsame Abschluss, die spürbar geprägt waren von der Gegenwart Gottes. Aber auch die vielen persönlichen Begegnungen und der Austausch zwischen den offiziellen Treffen waren sehr ermutigend und stärkend. Welches Zeugnis und welcher Reichtum werden sichtbar, wenn sich so viele BotschafterInnen des Reiches Gottes an einem Ort treffen!

Ich bin auch sehr dankbar, dass Maxim die Gelegen­heit hatte, im Plenum kurz das Wort zu ergreifen. Er erzählte von seinen Erfahrungen in Moldawien, wenn christliche Gemeinden Verant­wortung übernehmen für die Verbrechen des Holocaust, indem sie stellvertretend für die damalige Bevölkerung Busse tun und jüdische Menschen um Vergebung bitten. An diesen Orten öffnet sich spürbar der Himmel. Maxim selbst war sehr ermutigt darüber, mit Geschwistern aus anderen Ländern über Gebetsinitiativen auszutauschen, von ihnen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Er hat das Treffen gut erlebt und war sehr dankbar, dass verschiedene Leute ihm die Teilnahme ermöglicht hatten. Seine Teilnahme am Treffen war für mich eine wunderbare Gebetserhörung.

C.V.

Kommentare sind geschlossen.