Israel – wir kommen

Gebets- und Diakoniereise 2019

Wenn in ein Flugzeug steigen, dann um nach Israel zu kommen, war meine jahrzehntelange Rede. Wenn, dann keine touristische Reise. Ich bin überzeugt, dass unser Abba nun endlich von mir eine Tat sehen wollte und mich sanft, aber bestimmt zu dem Flyer führte, der zu einer Gebets- und Diakoniereise im November einlud. 5 Tage in der Wüste Negev und 4 Tage am Mittelmeer; es passte!

Unsere Gruppe flog am Freitag, dem 1. 11. 2019, von Zürich nach Tel Aviv. Es war bereits dunkel, als wir mit zwei gemieteten Kleinbussen nach Jeruham fuhren, eine Stadt mit ca. 22’000 Einwohnern, im südlichen Israel und im nördlichen Teil der Wüste Negev gelegen. Bezeichnend war für mich, dass wir uns in Jeruham, wie auch später in Ashdod, beim Beziehen der Hotels im „Getümmel“ von Hochzeiten wiederfanden. Gleich am nächsten Tag fuhren wir singend und betend südwärts durch den Negev nach Eilat, die südlichste Stadt Israels am Roten Meer gelegen und angrenzend an Ägypten. Im Auto Gottes Wort laut oder still zu lesen, machte Freude. Manchmal saßen wir einfach still und bewunderten die vorüberziehende Landschaft, vertrauend auf unsere Fahrer Werner, Christian und deren GPS-interpretierenden und Straßenkarten lesenden Co-Piloten.

Mit eigenen Augen sahen wir, dass der Negev nicht einfach wüst und leer ist. Gestein, Sand, Hügelketten und Gebirge im Hintergrund in den verschiedensten Farbnuancen von weiß, beige, hell- und rotbraun, gold- und ockergelb bis hin zu silbrig-grün ergaben einen wunderschönen Kontrast zum blauen Himmel. Wir fuhren an vertrockneten Bachläufen, vereinzelten Sträuchern, Grasbüscheln und von Menschen angepflanzten verschiedenen Baumgruppen, Plantagen von Zitrusfrüchten und Datteln vorbei. Mitten in dieser archaischen Natur standen wir, ein Grüppchen von 13 Personen und beteten über dem Gebiet. Welche Gefühle, hier Gott zu loben und Ihn zu preisen; hier wo einst Jesus 40 Tage lang fastete und betete! Die Lesungen aus Hesekiel begleiteten uns. Gott hat Sein Volk nicht vergessen; Er bereitet das Land und eben auch die Wüste für die Rückkehr aller Zerstreuten vor. Die Vision von David Ben Gurion, dessen Desert-Home wir besuchten, nehmen immer mehr Form an. Neue Städte und Dörfer werden in der Wüste gebaut oder bestehen bereits (Hes 36,34). Wir fuhren an der riesigen Sonnenenergie-Anlage Aschalim vorbei. Der 260 m hohe Turm ist weit sichtbar, nicht nur seiner Höhe wegen, sondern insbesondere wegen seines fast übernatürlichen Lichtscheins. Für mich ist er wie ein Symbol für das Wort Gottes, das uns Licht auf unseren Wegen schenkt. Immer wieder nahmen wir uns Zeit, an übersichtlichen Plätzen anzuhalten, zu beten, die Menschen zu segnen, Gottes Wort prophetisch über Israel auszusprechen und den Sieg Jeshuas zu proklamieren.

In Mizpe Ramon wurden wir von Dan und Dalia herzlich im Gebetshaus begrüßt. Anschließend besuchten wir Thomas und Tzofit in Zuqim. Sie erzählten uns von ihren Freuden, Problemen und dem Ausharren als Pioniere. Wie schön ist es, füreinander zu beten, Zuversicht und Mut aus Gottes Worten zuzusprechen! Anderntags besuchten wir die Stiftung ALEH in Ofaqim. Ein gesegneter Ort für behinderte und schwerstbehinderte Kinder, Jugendliche und Babys. Sie werden alle liebevoll und professionell betreut und gepflegt (Mt 25,40). Es gibt einen Streichelzoo, überall Schattenplätzchen, Spielplätze, eine kleine Gärtnerei, Töpferei für die Kinder, die nicht ans Bett gebunden sind. Mitten in der Wüste Menschlichkeit, Barmherzigkeit, Samaritertum, Liebe Gottes!

Dass ich dann einmal einen knappen Kilometer vor der Grenze des Gazastreifens stehen und die Menschen jenseits der Grenze segnen und den Sieg Jeshuas ausrufen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Auf der Fahrt nach Ashdod, unserem zweiten Domizil in der zweiten Wochenhälfte, machten wir einen Halt in der Nähe von Sederot an einem Aussichtsplatz, der zugleich eine Soldatengedenkstätte ist. Wir befanden uns in einem Schnittpunkt zwischen Frieden und Krieg. Die Natur in Frieden; Schmetterlinge gaukelten durch die Luft, Vögel zwitscherten, grüne und blühende Sträucher in diesem gepflegten Park. Der Mensch im Krieg; Bauarbeiten entlang der Grenze zum Gazastreifen, hohe Erdwälle wurden aufgeschüttet, Schießübungen hallten zwischen den Bäumen. Angespanntheit, die keinerlei Fehlverhalten duldet, war spürbar. Segnet eure Feinde, sagte Jesus. Hier in Israel und besonders an diesem Ort bekommt dieser Satz eine ganz besondere Bedeutung.

Die Geschwister einer stark wachsenden messianisch-jüdischen Gemeinde in Ashdod  führten uns in ihrem neu erstellten Gemeindegebäude herum. Dann brachten sie uns zu einem Begegnungszentrum in Ashdod, wo wir Holocaust-Überlebende trafen. Wir konnten ihnen elektrische Heizradiatoren überreichen, gespendet von Christen aus der Schweiz. Als ich diese Männer und Frauen real vor mir sah, ihnen zuhörte, was sie Unmenschliches erleben mussten und wie sie sich über unseren Besuch freuten, wie sie Reiseteilnehmer/innen von früheren Besuchen wiedererkannten, kam in mir eine unbeschreibliche Liebe auf. Dieses Land und Volk zu segnen, für sie zu beten und Gottes Wort prophetisch auszusprechen, war mehr als ein erfüllendes Gefühl; es ist eine im Geist erkennende Zusammengehörigkeit. Diese Erkenntnis verstärkte sich am nächsten Tag, als wir nach Caesarea fuhren. Mitarbeiterinnen von „Helping-Hand Coalition“ begrüßten uns im Shalom Haus und hatten ein Treffen mit solch liebenswürdigen Menschen vorbereitet. Unbegreiflich, wenn ich diese Männer und Frauen betrachtete, die die Hölle überlebten, dass Antisemitismus wieder ein Thema sein will….

Am Schluss dieser zehn Tage dann am Meeresstrand von Ashdod einen Gottesdienst zu feiern, die Zehen in den warmen Sand gebohrt, vom Wind sanft gestreichelt, das Rauschen der Wellen in den Ohren, den Duft von sonnengewärmter Luft und einen unbeschreiblichen Frieden, war für mich das i-Tüpfelchen einer intensiven, unglaublich hingebungsvollen und wunderbaren Gebets- und Diakoniereise. Ein letztes Mal im Wasser stehend, bevor wir endgültig zurück nach Tel Aviv zum Flughafen gefahren wurden, sagte ich im Geist und im Herzen: Lehitraot,  Jisra’el, ich komme wieder – so Gott will!

Clara

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