„Blast die Trompeten vom äussersten Süden“

chile2     loc_chile

Chile / Antarktis

17. – 24. Dezember 2016

 

Nord-Suedpol_IMG_2622

Was für eine Herausforderung! Was für ein Abenteuer! Was für ein Vorrecht!
Nach sieben Jahren, über Hundert Einsätzen in 80 Nationen, sollte diese „letzte“ Region doch nichts Besonderes sein – sollte man meinen. Weit gefehlt! Sie war und ist einzigartig und jeden gewohnten Rahmen sprengend! Was machte diese Region so besonders für uns?

– In jede andere Region der Erde kann ich mir als Privatperson ein Flugticket kaufen, eine Unterkunft buchen und mich auf den Weg machen.
Für die Antarktisregion gilt das nicht. Dorthin kommst Du nur in Form einer Expedition, also über wenige, spezialisierte Anbieter – und nur mit einer Gruppe. Es gibt keine Hotels, Gästehäuser, Jugis; keinerlei Unterkünfte oder Restaurants.

– In jeder anderen Region der Erde (einschließlich Grönland) hatten wir Kontakt und Beziehungen zu Christen, die mit uns die Treffen planten und durchführten.
In der Antarktis gibt es keine Städte oder Dörfer, also auch keine christlichen Gemeinden. Es gibt einzelne Forschungsstationen verschiedener Nationen, die aber auch nicht immer bewohnt und offen sind.

– In jeder Region hatten wir jemanden aus der jeweiligen Nation, der mit mir zusammen die Trompeten blies.
Die Antarktis „gehört“ in diesem Sinne zu keiner Nation. Sie gehört niemandem, abgesehen natürlich vom Herrn (Ps. 24,1). Hier gab es also niemanden, der mit mir blasen konnte.

img_3411-1

 

Das alles machte es zwar besonders, aber wenn Gott ruft, beruft und sendet, dann bahnt ER auch den Weg und sorgt dafür, dass SEIN Wille geschehen kann! Der Herr gab uns Anfang 2016 schon den Eindruck, dass wir auf King George Island die Trompeten blasen sollen. Wir wussten, dass dort in der russischen Station die südlichste Kirche der Erde steht. Dorthin sollten/wollten wir!
Schon bei der Abklärung, Planung und Vorbereitung erlebten wir eine große Überraschung. Wir hatten über unseren Sohn, der zum Abraham Team gehört und in einem Reisebüro arbeitet, zwei Antarktisreiseanbieter angeschrieben. Von dem einen hörten wir über einen Monat lang gar nichts. Der andere bot einen Tagesflug von Punta Arenas (Chile) nach King George Island an; mit ca. 4h Aufenthalt, inklusive eines Besuches der russischen Station. Wir machten uns mit dem Gedanken vertraut, dieses Angebot zu nehmen und machten eine Vorreservation. Man musste allerdings mind. 4 und max.6 Personen sein. Es hatten sich auch interessierte Personen bei uns gemeldet. Im allerletzten Moment meldete sich dann der andere Anbieter doch noch. Das wäre eine kombinierte Schiff-Flugreise. Das klang um einiges interessanter, als die Nur-Flug-Variante – und das noch fast zum selben Preis! Es hatte nur einen Haken: Die Zeit war jetzt schon recht fortgeschritten und auf dem Schiff hatte es nur noch eine freie Doppelkabine zu einem einigermaßen (haha) „zahlbaren“ Preis. Die nächst höhere Preisklasse würde dann fast das Doppelte kosten. Wir mussten uns ganz schnell entscheiden. Jonas war einer von denen, die Interesse angemeldet hatten, um mitzukommen. Ich war immer und überall mit meiner Frau Regula gereist und weitere Teammitglieder oder Geschwister kamen dann jeweils auch mit. Sie war immer dabei. Doch diesmal hatte sie schon vorher den Eindruck, dass Jonas und ich alleine auf diese Reise gehen sollten. Sie würde zu Hause bleiben; schweren Herzens zwar, aber überzeugt, dass dies Gottes Wille sei. Ich hatte mit dieser Vorstellung reichlich Mühe, obwohl ich mich natürlich riesig freute, dass Jonas mitkommen wollte. Zumal er auch noch einige Hindernisse zu überwinden hatte…. (unbezahlten Urlaub, Militär-Info Tag verschieben). Gott erinnerte mich dann an ein Wort, welches Regula mir Anfang 2016 für dieses Jahr gab und das mir jetzt half und Klarheit brachte. Wir buchten die Kabine für Jonas und mich. Allen anderen Interessenten erklärten wir die Umstände, Entwicklungen und sagten allen ab. Auch die Vorreservation des Fluges vom anderen Anbieter konnten wir ohne Folgen stornieren. Jonas Hindernisse wurden natürlich beseitigt J und seiner Teilnahme stand nichts mehr im Wege. So flogen wir von Zürich nach Ushuaia. Nach 36h mit dreimal umsteigen, kamen wir dort am Morgen an. Nachmittags konnten wir dann das Schiff besteigen, auf dem wir die nächsten 4 Tage und Nächte verbringen würden. Ca. 60 Passagieren waren mit von der Partie.

img_3312-1 img_3427-1 img_3350-1

Es ging durch die Drake Passage mit Halt und Landgang in Puerto Williams. Nächster Halt war dann Cape Horn. Ich wusste bis dahin nicht, dass das eine Insel ist. Es hatte u.a. eine kleine Kapelle mit Kreuz und drei Bibeln! Aus der Deutschen las ich dann laut Ps. 24!

Es war faszinierend, wie Gott durch sein Wort Weisung und Ermutigung gab (Losungsbuch).

In Jes.42, 4 heißt es: „Und die Inseln warten auf seine Weisung!“ Wir waren mit dem Schiff unterwegs um den Inseln Gottes Weisung mitzuteilen. Wow! Das hat mich zutiefst getroffen. Auch sie sollen die Trompeten hören.

Am Tag bevor wir die Trompeten blasen wollten, gab der Herr uns dieses Wort: „Siehe, ich habe eine geöffnete Türe vor dir gegeben, die niemand schließen kann.“ (Off 3,8) Was für eine Zusage! Wir hatten den Expeditionsleiter gefragt, ob wir in die Kirche könnten, weil das der Grund für unsere Reise war. Er versprach mit seinen russischen Freunden zu sprechen und war zuversichtlich, dass die Kirche offen sein würde. Nach dieser Verheißung unseres Herrn, gab es für uns nicht den geringsten Zweifel daran!

img_3353-1 img_3396-1 img_3441-1

King Georg Island. Wir sind angekommen!
Jetzt stehe ich mit Jonas in der kleinen, russisch-orthodoxen Kirche – die natürlich offen war. Wir beten und blasen die Trompeten. Vater und Sohn! Zwei Generationen. Inzwischen ist uns längst klar, dass Jonas auch deshalb mit musste. Hier von dieser unwirklichen, rauen, schönen, wilden und entlegensten Region der Erde blasen wir die Trompeten im Geiste des Elia und beten somit auch den letzten Vers des AT: „Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare. Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu den Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage!“

Nachdem wir zweimal geblasen haben, steht plötzlich ein Mann vor uns und sagt, dass wir hier nicht blasen dürfen. Dies ist ein Ort des Gebetes, nicht des Musizierens. Ich entschuldige mich und versuche zu erklären, dass es eine Art des Gebetes ist, was wir tun. Sage ihm noch Bibelstellen dazu, aber er bleibt hart. So dürfen/müssen wir den dritten Trompetenstoss draußen vor der Kirche blasen. Wir sehen es als ein prophetisches Zeichen an, dass Gottes Botschaft letztendlich aus den Kirchen heraus getragen werden muss! Wir beten auch hier u.a. den Ps. 24 und segnen von diesem Ende der Welt Israel und die Juden. Beten für Gottes Sammlung seines Volkes, gerade auch aus dem Süden.

img_4213-1 img_3348-1 img_3447-1 img_3412-1

Wir haben es tatsächlich getan! Ich habe nicht einmal ein besonderes, eindrückliches, emotionales Feuerwerk erlebt, während oder nach dem Blasen an diesem Ort. Es war sehr nüchtern. Keine schwere Last ist abgefallen. Kein überschwängliches Freudengefühl. Doch eine tiefe, demütige und staunende Dankbarkeit erfüllte uns.

Wir hatten übrigens jeden Tag mehrmals die Gelegenheit während den Essenszeiten mit den anderen Teilnehmern und dem Staff darüber zu reden, warum wir diese Reise machen. Das ergab natürlich Fragen und führte zu guten Gesprächen. Danke Jesus!!

„Fordere von mir und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben, zu deinem Besitz die Enden der Erde!“ Ps. 2,8

W.W.

 

Kommentare sind geschlossen